Der Rückaustausch im Jahr 2011, der Jugendtheaterbegegnung in Valparaíso, Chile hat begonnen. Am Mittwoch ist die deutsche Gruppe sicher und erschöpft angekommen. Gestern haben wir den Tag mit dem Besuch der Schule und eine Begrüssung verbracht. Danach sind wir sehr luxuriös zum Mittag eingeladen worden. Danach hat uns Patricio, der Lehrer für Geschichte, eine Stadttour durch Valparaîso gegeben. Die Tour endete dann mit einer Bootstour durch den Hafen. Danach ging es jedoch gleich weiter… wir haben gemeinsam ein Papapleto gegessen. Danach sind wir zu einem Konzert von jungen Nachwuchskünstlern gegangen, dass von der Municipalidad (sowas wie der Gemeinde) subventioniert wurde und im kommunalen theater kostenlos stattfand. Alle haben dann noch freudig mit einander getanzt und den Abend genossen. Heute haben wir dann die ersten Theater- und Vertrauensspiele gemacht. Ausserdem haben wir sehr intensiv angefangen über Minderheiten und vor allem dem Problem des Mobbing an Schule, was in Chile sehr radikale formen annimmt, zu diskutieren und haben uns von dort etwas zu globalen Zusdammenhängen treiben lassen und Systemkritik betrieben. Erste Ideen für das Theaterstück wurden gesammelt und morgen (ja am Samstag) geht die Arbeit weiter, auch wenn wir heute abend noch ein Theaterstück von einer anachistisch orientierten Gruppe gucken.
Wenn auch etwas verspätet möchte ich von der letzten sehr intensiven Zeit des Theateraustausches berichten. Die letzte Woche bestand vorwiegend aus Proben. Montag, Dienstag und Mittwoch waren die deutschen Jugendlichen im Unterricht und Donnerstag/Freitag waren sie dann befreit. Montag Vormittag waren die Chilenen mit den Deutschen zusammen im Unterricht und nachmittags ging es gleich weiter mit Capoeira und Rythmusworkshop. Am Dienstag Vormittag wollten wir eigentlich Wandern gehen, da es aber so stark regnete, waren wir dann im Klex und haben dort Spiele gespielt und uns unterhalten. Paulina, Patricio, Marie und ich nutzen gleich die Chance, um einige Idee für das kommende Jahr auszutauschen und Aufgaben festzulegen.
Am Nachmittag haten wir dann den letzten Workshop und ich habe meine Idee vom Theaterstück zur Diskussion vorgestellt. Die Jugendlichen nutzen diese jedoch nicht wirklich, sondern stimmten ihr weitestgehend zu. Am Mittwoch waren wir dann bei den Dornburger Schlössern. Dies wwar für die Jugendlichen zwar interessant, aber sie äußerten, dass sie sich unter einem „Schloss“ doch irgendwie etwas mehr vorgestellt hätten. Der Nachmittag war dann frei und sollte von allen genutzt werden, um noch Geschenke für die Familie einkaufen zu können und sich auszuruhen. Am Abend trafen wir uns dann alle noch bei der Vokü, aßen alle gemeinsam und verbrachten so noch ein paar schöne Stunden abends zusammen. Der Donnerstag und Freitag bestand ausschließlich aus Proben, Bühne aufbauen etc. Während der Proben entstand dann am Donnerstag Nachmittag eine große Diskussion über das Theaterstück, welchem wir Raum gaben. Unter dem großen Zeitdruck wurde ganz klar, wie schwierig Demokratie mit wenig Zeitaufwand umzusetzen ist. Für nächstes Jahr kristallisierte sich gut heraus, dass wir den Austausch noch freier gestalten wollen. Das bedeutet für uns Betreuer zwar, dass wir uns mehr rausnehmen, aber auch das wir immer ausmerksam und gutvorbereitet sein müssen, um die Workshops gut betreuen zu können. Eine Herausforderung, die ich bei dieser Gruppe gerne annehme.
Und dann wurde Freitag nachmittag die Zeit immer knapper, die einen arbeiteten am Theaterstück, andere an der Ausstellung und einige kochten und irgendwie klappte alles. Die Capoeira Gruppe Ibeca Jena e.V. trat zuerst im Amphitheater auf, es gab die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzusehen und typisch spanisch/chilenische Gerichte zu probieren. Die Jugendlichen waren hochkonzentiert und gaben mehr als hundert Prozent. Gut war, dass ich ganz hinten saß (denn viele Personen besuchten, die Aula war voll), da ich so aufgeregt war, dass ich fand einen Bleistift zerkaute. Nach dem Auftritt hielt Frau Wrede eine Dankesrede und auch wir bedankten uns ganz herzlich. Und als große Überraschung pflanzten wir einen Apfelbaum, was ein sehr schöner symbolischer Akt war. Danach feierten wir ein wenig in der Schule, räumten noch den Rest auf und feierten dann weiter in Flo´s Garten. Am Tag danach war das Sraßenfest des Eine-Welthauses und die Jugendlichen traten ein weiteres Mal auf, diesmal jedoch unter erschwerten Lärmbedingungen. Die Zeit danach war sehr schön, Marie und ich konnten uns entspannen und uns noch persönlich in die Gruppe einbringen, da wir die Betreuerrolle etwas beiseite legen konnten. Am Samstag abend saßen wir noch lange am Camsdorfer Ufer zusammen und konnten Sonntag frei machen. Abends trafen wir uns dann für das Abschlusskonzert der Kulturarena: Los de Abajo. Für viele stellte dieses Konzert einen großen Höhepunkt des Austausches dar. Die gesamte Gruppe tanzte und feierte gemeinsam, ließ sich vom strömenden Regen nicht abhalten und so setzten wir uns noch bei Franzi zusammen, stürmten ihren Kleiderschrank und spielten ein bisschen zusammen. Am Montag bereiteten die Chilenen dann eine sehr schöne Collage über den Austausch und ihre Erfahrungen hier in Deutschland. Am Nachmittag kochten wir dann zusammen und eavluierten das Projekt. Generell war es sehr positiv (nur der Zeitdruck wurde stark bemängelt). Am Abend hatten wir dann noch Zeit uns im Grünowski zu verabschieden und letzte Gespräche zu führen. Am Dienstag brachten noch alle ihre Gäste zum Zug und Marie und ich fuhren mit den Chilenen noch bis nach Frankfurt. Für mich war es sehr gut und wichtig zu merken, ja es hat sich gelohnt, die ganze Arbeit und Anstregung. Ich gucke mit viel Freude ins nächste Jahr und hoffe, dass dann alles gut klappt.
Der Donnerstag im Konzentrationslager Buchenwald war sehr intensiv für die Chilenen. Unsere Führung war sehr gut und wurde sogar von einer Chilenin gemacht. Da sie sich bewusst war, dass bei den Chilenen und Nikaraguanern, mit denen wir diesen Tag gemeinsam verbrachten, weniger Vorkenntnisse haben, nahm sich sich sehr viel Zeit, alles sehr genau zu erklären. Mir persönlich war es sehr wichtig, dass auch herausgestellt wird, dass dies nicht nur eine deutsche Geschichte ist, sondern die Geschichte der Menschheit/Menschlichkeit betrifft. Nach der Führung, die größtenteils im strömenden Regen stattfand, haben wir noch alle gemeinsam in einem Seminarraum diskutiert. Was bedeutet es für mich hier zu sein? Was habe ich gelernt? Dabei kamen viele Wortmeldungen, die sich auf die persönliche Verantwortung, der Umgang mit Diskriminierung (z.B. von Homosexuellen oder indigenen Minderheiten) sowie das Ausmaß des menschlichen Potential zum Guten sowie zum Grausamen. Die Stadtbesichtigung in Weimar mussten wir aufgrund des Regens leider absagen und so hatten wir eine kurze Pause. Am Abend war dann noch die Geburtstagsfeier von Samanta, einer Nikaraguanerin. Die gesamte Gruppe feierte zusammen, zuerst trauten sich nur die Chilenen und vereinzelt Nicas und Deutsche, erst als jemand den Raum verdunkelte und die Chips sich dem Ende neigten, wurde die Tanzfläche gefüllt. Danach ging es für den ein oder anderen weiter in die Soccer bar… Kein Wunder, wenn man dann am nächsten morgen müde ist…
Am Freitag waren die deutschen Jugendlichen dann im Unterricht und die Nicas und Chilenen haben zusammen ein Planspiel im Eastside (Danke für die Räumlichkeiten) gespielt. Im Spiel gibt es die Welthandelsbank (Vertreten durch Ann-Kathrin und mich), Berater und Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer. Alle Gruppen (A,B,C) haben unterschiedliche Voraussetzungen: unterschiedlich viele Rohstoffe, Technik, Startkapital etc. Das Spiel zeigte sehr schnell die Auswegslosigkeit der Entwicklungs- und Schwellenländer, sie mussten schlechte Handelsabkommen akzeptieren, die Industrieländer nutzten ihren Vorteil massiv aus und konnten ganz in Ruhe arbeiten, während die anderen hektisch umherannten, um die durch Erdbeben entstandenen Schäden wieder auszugleichen. Kurz vor Ende kippte die Stimmung jedoch und die Gruppe B und C verbündeten sich, tauschten nicht mehr mit Gruppe A und produzierten anstatt von Vierecken eben Sterne und Blumen und tauschten sie untereinander. In der Diskussion danach wurden verschiedene Aspekte angeschnitten: ungerechte Verteilung in der Welt, ein besseres Verständnis von Makro-wirtschaft und deren Auswirkung auf die Mikroebene, aber auch heftige Kritik wurde am Spiel geübt, da Lucas zum Beispiel meinte, für ihn sei das zwar ein interessantes Spiel, aber für ihn zähle mehr, was er konkret jeden Tag tun kann, welche Verantwortung er trägt und wie sich zum Beispiel Schüler und Studenten zu Bewegungen zusammenschließen. Danach sind wir dann in die Schule gefahren, um dort zu essen und danach Capoeira und Musik zusammen. Das begeisterte einige sehr und heute werden wir dies fortsetzen, andere (mehr von den Deutschen) waren jedoch zu müde, unmotiviert oder erkältet, um sich noch einzubringen. Im Moment zeigt sich gerade ein kleines Tief in der Energie aller, die erste Aufregung ist vorbei, die Deutschen haben wieder Unterricht und somit ist die Gruppe neuen Belastungen gestellt.
Am Samstag ging es dann früh nach Berlin. Zuerst haben wir dann unsere Sachen im Hostel gelassen und sind dann zum Alexanderplatz. Bei den Fontänen hinter dem Fernsehturm hüpften dann die Chilenen fleißig über die Betonplatten und in dem Moment, wo Pauli und Lucas sich für ein Foto positionierten, gingen die Fontänen richtig an, sodass Pauli danach den ganzen Tag in Nelly Schlafanzughose durch Berlin tapste. Wir besuchten den Alexanderplatz mit Weltzeituhr, der gegenwärtigen Ausstellung zur Wiedervereinigung und dem Nikolaiviertel, die Marienkirche und den Neptunbrunnen. Danach ware wir noch in den Hackischen Höfen und der Oranienburgerstr. mit der jüdischen Synagoge. Nach einer Stunde Pause ging es dann noch zur Gedenkstätte in der Bernauer Str., die die chilenen sehr beeindruckte, da sie es gut nachvollziehenh konnte. Mir war es sehr wichtig, nicht den CheckpointCharlie zu besuchen, da er auf mich einfach sehr touristisch wirkt. Abend, nachdem die Nikaragunaer zu uns gestoßen sind, sind wir im Kreuzberg einen Döner/Falafel und Pizza gegangen. Danach gab es das typisches Gruppenverhalten, gehen wir noch in eine Bar, während die Gruppe diskutierten, ging ein Teil schon in den Kaiser etwas kaufen und ein anderer Teil wollte lieber im Hostel sein (bzw. fand eine bar zu teuer). Die deutschen Jugendlichen wollten noch richtig Party machen und stachelten die chilenen zu (noch mehr ) Bier an, was mich ärgerte und so war es ein etwas sehr uninterkultureller Abend, (da die Chilenen sich an die Vorgaben, der Alkoholeinschränkung hielten und die deutschen eben nicht und keine Lust hatten gemeinsam alkohollos zu feiern…)
Am nächsten Morgen lief alles recht chaotisch, enige Betreuer und ich haben bei mir zu Hause geschlafen, wir haben noch Lebensmittel für den Tag eingekauft und die anderen im Hostel waren so gemütlich beim Aufstehen (letztendlich der spanische und chilenische Betreuer, sowie ein deutscher), dass wir beinah die Führung im Bundestag verpasst hätten. Schlussendlich klappte aber doch alles, die chilenen zeigten sich begeistert und zogen nach letzten Besitigungen des Brandenburger Tores und des Mahnmals den Schluss, dass sie Berlin positive überrascht hat. Die lange Bahnfahrt zurück nutzten wir dann, um zu schlafen, und zu quatschen. Und dann….. rief Jose Ramon an. Ein Freund aus Spanien, der mit Pauli und mir in Chile gearbeitet hat und jetzt extra fürs Projekt eingefolgen ist. Wir hatten dann noch einen langen Abend und redeten und redeten und redeten… Ich bitte übrigens jegliche Tippfehler zu entschuldigen, die Betäubung des Zahnarztes bedüdelt mich noch immer.
Wieder einmal ist soviel passiert, dass ich die letzten Tage nicht zum schreiben gekommen sind: Am Dienstag haben wir uns mit Vorurteilen beschäftigt. Zuerst haben wir eine Übung zu interkultureller Sensibilisierung sowohl mit deutschen und chilenischen Jugendlichen als auch Betreuern: Die Bewohner der Insel von Albatros. Diese öffnete ein erstes Gespräch über Vorurteile. Der zweite Teil des Workshops war dann sehr unterhaltsam, da wir die Jugendlichen in die deutsche und chilenische Gruppe trennten und sie ihre Vorurteile, die sie vor der Begegnung hatten diskutierten und daraus Theaterszenen entwickelten. Die Präsentation der Arbeiten war sehr lustig, da alle sehr über sich selbst, das eigene Bild von der fremden und auch der eigenen Kultur war. Dabei wurden auch Themen wie Diskrimminierung (Sind die Chilenen nicht vielleicht etwas zurückgeblieben? Wissen sie was ein Handy ist?) als auch eigene kulturelle Identitäten. So freute sich zum Beispiel eine Chilenen sehr über die positiven Vorurteile (Sind laut, herzlich, offen..?), weil sie sie selbst gut findet und irgendwo bestätigt sieht und ihr eine Identität geben. Besonders schön war für mich zu merken, wie gut die Auswertung dieser Übung in Paaren funktionierte. Auch wenn einige teilweise Verständigungsprobleme hatten oder Unterstützung brauchten, zeigte, der Lärmpegel, dass sich die Jugendlichen einiges zusagen hatten. Abends hatten wir dann noch die Gelegenheit die Ausstellung „Die Würfel sind gefallen“ im Johannisturm zu besuchen.
Mittwoch war dann ein kreativer Tag. Wir haben uns noch einmal mit Demokratie und Vorurteilen beschäftigt und das Lied von Gerhard Schöne „Der Laden“ in Theaterszenen umgesetzt. Dabei ging es vor allem um die Frage, der eigenen Träume, wie wünsche ich mir die Welt und wie realisiere ich sie. Danach waren wir klettern und haben uns die Ausstellung der IMAGINATA (interaktive pysikalische Experimente) angesehen. Toll.
Donnerstag heute waren wir in Buchenwald und da es jetzte wieder weitergeht und es dafür mehr als ein paar Sätze braucht, werde ich bald dazu mehr schreiben.
2 sehr volle, erfüllende, schöne und auch anstrengende Tage sind vergangen und so werde ich nur einen sehr kurzen Beitrag verfassen und mir morgen mehr Zeit nehmen. Die Gruppendynamik ist sehr schnell, sodass sich bereits jetzt viele Momente des Austausches während der Workshops als auch in der freien Zeit ergeben haben.
Der Grillabend mit den Gastfamilien und Gästen war sehr schön. Es gab viel zu essen und die Chilenen zeigten Bilder aus Valparaíso, sodass alle einen Eindruck der Stadt und der Lebenswelt der Jugendlichen bekamen. Am Sonntag haben wir uns dann die Chilenen das Theaterstück vorgeführt, welches sie vorbereitet hatten, wir haben gemeinsam Pizza gemacht und einige Gruppenübungen erkundet sowie erste Theater/Pantomimeübungen probiert. Dabei stellten viele fest, wie einfach eine nonverbale Kommunikation sein kann. Nachmittags hatten viele noch Lust, gemeinsam Zeit zu verbringen und so gingen wir gemeinsam auf den Friedensberg und haben gemeinsam gesungen, gelacht, gespielt und Spanisch/Deutsch gelernt. (Dabei bekam Marie (Betreuerin) von Paulina (Betreuerin und Biologielehrerin) eine 6 erteilt, weil sie Vokabel abschrieb, woraufhin Marie Pauli vom Unterricht suspendierte.)
Der Montag war zeitlich sehr vollgepackt und so haben wir die Kritik erhalten zu viel Zeitdruck zu verbreiten und Diskussionen zu früh abzubrechen. Da wir uns mit dem Thema Diktatur und Demokratie beschäftigten, hatten viele Lust viel zu sagen, es trafen verschiedene Meinungen und Perspektiven aufeinander, ständig waren die Üersetzer im Einsatz und daher dauerte jede Übung länger als erwartet. Wir werden uns Mühe geben, in den nächsten Tagen weniger Übungen anzuleiten und diese dafür zu intensivieren. Nachmittags bekamen wir dann noch eine Führung im Stadtspeicher (kostenlos, Danke an Paul und den Stadtspeicher). Danach brauchten wir Betreuer erst einmal einen Kaffee (mein erster seit 5 Tagen…) und konnten uns noch lange unterhalten, Organisatorisches klären und den Tag auswerten. Nun ruftdas Bett… Buenas noches, amig@s!

